Was kostet ein handgemachtes Produkt wirklich? – Mein kleiner Kalkulations-Selbsttest

Veröffentlicht am 18. September 2026 um 15:00

Ich gebe es ganz ehrlich zu: Bei meinen Produkten habe ich die Preise bisher eher nach Gefühl festgelegt. Natürlich schaue ich auf die Materialkosten und überlege, was für ein Produkt realistisch ist. Aber eine richtig ausführliche Kalkulation mit Arbeitszeit, Strom, Werkzeug, Homepage und allen anderen Kosten?

Eher nicht. 😅

Deshalb habe ich mir gedacht: Das kann ich doch einmal ausprobieren!

Und dafür nehme ich ein Produkt, das ich gerade selbst genäht habe: ein kleines Körbchen.

Mein Nähprojekt als Beispiel

Das Körbchen ist aus einem Nähset entstanden. Das Set hat 9,99 € gekostet und daraus können insgesamt vier Körbchen genäht werden.

Damit liegen die reinen Materialkosten pro Körbchen bei:

9,99 € ÷ 4 = 2,50 €

So weit, so einfach.

Aber natürlich steckt in einem selbstgemachten Produkt mehr als nur der Stoff.

Das Körbchen war außerdem mein erster Versuch. Ich habe dafür knapp zwei Stunden gebraucht und es ist natürlich noch nicht perfekt. Gerade beim ersten Projekt dauert vieles länger, weil man noch überlegen, ausprobieren und vielleicht auch einmal etwas wieder auftrennen muss.

Und genau deshalb fand ich dieses Beispiel für meinen kleinen Selbsttest besonders interessant.

Was kostet meine Arbeitszeit?

Das ist wahrscheinlich der Punkt, den man bei Handmade-Produkten am einfachsten vergisst.

Wenn ich knapp zwei Stunden an einem Körbchen sitze, sind diese zwei Stunden natürlich nicht kostenlos.

Nehmen wir einmal beispielhaft einen Stundenlohn von 15 €.

Bei zwei Stunden Arbeitszeit wären das:

2 Stunden × 15 € = 30 €

Zusammen mit den Materialkosten sind wir damit schon bei:

30 € Arbeitszeit + 2,50 € Material = 32,50 €

Und dabei haben wir noch gar nicht alles berücksichtigt.

Auch die Nähmaschine läuft nicht umsonst

Meine Nähmaschine habe ich gebraucht für 150 € gekauft.

Natürlich kann ich diese 150 € nicht einfach auf ein einziges Körbchen draufschlagen. Die Maschine wird schließlich für viele verschiedene Projekte verwendet.

Ich kann die Anschaffungskosten aber auf viele Projekte verteilen.

Wenn ich beispielsweise mit mehreren hundert Nähprojekten rechne, ist der Anteil pro Projekt relativ klein. Für meine Beispielrechnung setze ich deshalb ungefähr 0,50 € für die Nähmaschine bzw. ihren Verschleiß an.

Dazu kommen Dinge wie Nadeln, Schere, Garn und andere Kleinigkeiten, die man beim Nähen benötigt.

Und was kostet eigentlich der Strom?

Auch hier war ich überrascht, wie wenig das im Vergleich zur Arbeitszeit ausmacht.

Die Nähmaschine läuft bei meinem Körbchen ungefähr 45 Minuten.

Selbst wenn man mit einem Strompreis von etwa 35 Cent pro Kilowattstunde und einer Leistungsaufnahme von ungefähr 100 Watt rechnet, landet man bei nur wenigen Cent.

Für dieses Beispiel sind das ungefähr 0,03 € Stromkosten.

Das zeigt ganz schön:

Nicht der Strom macht ein handgemachtes Produkt teuer – sondern vor allem die Arbeitszeit.

Und dann gibt es noch meine laufenden Kosten

DIYShopCarina hat natürlich ebenfalls laufende Kosten, auch wenn man sie nicht direkt einem einzelnen Produkt ansieht.

Meine Homepage kostet mich beispielsweise ungefähr 120 € im Jahr. Dazu kommen aktuell noch 13 € pro Jahr für die Verpackungslizenz (im Angebot).

Auch für die Lagerung meiner Materialien und die Nutzung meiner Arbeitsmittel entstehen Kosten. Mein Material muss schließlich irgendwo gelagert werden und auch Werkzeuge, Maschinen und andere Dinge, die ich für meine Produkte benötige, gehören zu den laufenden Kosten eines kleinen Handmade-Gewerbes.

Diese Kosten verteilen sich allerdings nicht auf ein einzelnes Produkt, sondern werden auf viele verschiedene Produkte und Verkäufe umgelegt.

Genau deshalb sollte man bei einer Kalkulation nicht nur auf den Materialpreis schauen. Auch die vielen kleinen laufenden Kosten summieren sich über das Jahr.

Was kostet mein Körbchen nun wirklich?

Wenn ich meine Beispielwerte einmal zusammenrechne, könnte eine vereinfachte Kalkulation ungefähr so aussehen:

Kostenpunkt ungefährer Preis
Material 2,50 €
Strom 0,03 €
Nähmaschiene - Verschleiß 0,50 €
sonstiger Werkzeugverschleiß 0,20 €
Anteilige laufende Kosten 1,00 € - 2,00 €
Arbeitszeit: 2 Std x 15,00 € 30,00 €
Gesamtkosten 34,00 € - 35,00 €

Und jetzt kommt der interessante Teil:

Da ist noch gar kein zusätzlicher Gewinn enthalten.

Das hat mich beim Nachrechnen tatsächlich etwas zum Nachdenken gebracht.

Würde ich mein Körbchen deshalb für 35 € verkaufen?

Nicht unbedingt.

Denn wir müssen bei diesem Beispiel eine wichtige Sache berücksichtigen:

Es war mein erstes Körbchen.

Ich habe dafür knapp zwei Stunden gebraucht. Beim nächsten Körbchen kenne ich die Arbeitsschritte bereits. Ich muss nicht mehr überlegen, wie ich etwas zusammennähe, und weiß eher, worauf ich achten muss.

Vielleicht brauche ich beim zweiten Körbchen nur noch 90 Minuten.

Oder beim dritten nur noch eine Stunde.

Und genau das verändert die Kalkulation enorm.

Bei 15 € Stundenlohn wären beispielsweise:

1,5 Stunden = 22,50 € Arbeitszeit

und bei einer Stunde:

1 Stunde = 15 € Arbeitszeit

Das zeigt mir: Nicht nur der Materialpreis entscheidet darüber, ob sich ein Produkt lohnt.

Auch die Herstellungszeit ist entscheidend.

Was wäre also ein realistischer Verkaufspreis?

Für dieses konkrete Körbchen würde ich – gerade weil es mein erstes ist und es noch nicht perfekt ist – nicht einfach die komplette theoretische Kalkulation als Verkaufspreis ansetzen.

Ein Preis um 15 € wäre für mich momentan ein realistischer Ansatz, wenn das Körbchen sauber verarbeitet ist.

Allerdings würde ich dann auch ehrlich sagen:

Bei einer Herstellungszeit von zwei Stunden ist das für mich wirtschaftlich noch nicht besonders attraktiv.

Denn nach Material und anderen Kosten bleibt von den 15 € deutlich weniger übrig. Meine tatsächliche Vergütung für die zwei Stunden Arbeit wäre damit ziemlich niedrig.

Das eigentliche Ziel wäre deshalb nicht unbedingt, den Preis immer weiter nach oben zu setzen.

Viel interessanter wäre es, herauszufinden:

Wie schnell kann ich das Körbchen herstellen, wenn ich es nicht zum ersten Mal nähe?

Denn wenn ich die Herstellungszeit von zwei Stunden beispielsweise auf eine Stunde reduzieren kann, sieht die ganze Rechnung schon wieder ganz anders aus.

Mein Fazit

Dieser kleine Selbsttest hat mir gezeigt, dass ich meine Preise in Zukunft vielleicht doch etwas genauer anschauen sollte.

Denn bei Handmade-Produkten bezahlt man nicht nur den Stoff, die Wolle oder das Garn.

Man bezahlt auch:

  • die Zeit, die jemand dafür aufwendet

  • Maschinen und Werkzeuge

  • Strom

  • Material, das vielleicht nicht direkt im Produkt landet

  • Verpackung

  • laufende Kosten eines kleinen Gewerbes

  • und natürlich sollte am Ende auch ein Gewinn übrig bleiben.

Gleichzeitig möchte ich meine Produkte natürlich zu Preisen anbieten, die für meine Kundinnen und Kunden nachvollziehbar und bezahlbar bleiben.

Genau deshalb finde ich die Kalkulation so spannend.

Vielleicht ist manchmal nicht der Preis das Problem, sondern das Produkt selbst: Wenn ein kleines Körbchen zwei Stunden Arbeit benötigt, muss ich mich fragen, ob ich den Preis erhöhen kann – oder ob ich den Herstellungsprozess mit etwas Übung schneller hinbekomme.

Und genau das möchte ich bei meinen nächsten Nähprojekten beobachten.

Körbchen Nummer 1 war also nicht nur ein fertiges Produkt, sondern gleichzeitig mein kleines Kalkulationsexperiment. 🧵😊

Mal sehen, wie lange Körbchen Nummer 2 braucht ...

 

Mit Hilfe von KI erstellt

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