Handgestrickte Socken?
„Ach, das bisschen Wolle und ein bisschen Stricken.“
Ja… wenn es doch nur so wäre! 😄
Ich dachte mir, ich nehme euch heute einfach einmal mit hinter die Kulissen und rechne grob vor, was in einem selbstgestrickten Paar Socken tatsächlich steckt.
Nicht, um euch zu sagen, was meine Socken kosten müssen.
Nicht, um euch zum Kaufen zu überreden.
Sondern einfach, weil ich selbst manchmal denke: Eigentlich ist es schon verrückt, wie viel Arbeit in so einem kleinen Paar Socken steckt.
Fangen wir mit der Wolle an 🧶
Für dieses Beispiel nehmen wir ein Paar Socken in Größe 39 aus handgefärbter Wolle von Gabriele Meul-Ronnewinkel von MeRo-Colors.
Handgefärbte Sockenwolle gibt es dort in vielen verschiedenen Farben und Qualitäten. Für unser Beispiel rechnen wir mit ungefähr 12 € für 100 g.
Und zwar nicht irgendeine Wolle aus dem Sonderangebot. 😉
Für ein Paar in Größe 39 werden ungefähr 70–80 g benötigt.
Jetzt könnte man natürlich sagen:
„Dann rechne doch auch nur die 70–80 g ab.“
Stimmt.
Aber bei meinem Beispiel möchte ich es etwas einfacher halten und das gesamte 100-g-Knäuel mit 12 € als Materialkosten ansetzen.
Der kleine Rest, der übrig bleibt, kann später zwar noch für Kleinigkeiten wie Schlüsselanhänger verwendet werden, aber es bleibt eben nicht plötzlich ein halbes Knäuel übrig.
Materialkosten: 12 €
Und dann kommt die Sache mit der Zeit… ⏰
Das ist wahrscheinlich der Punkt, den man als Außenstehender am leichtesten unterschätzt.
Ein Paar Socken strickt sich nicht in einer halben Stunde.
Für ein Paar Erwachsenensocken kann man ungefähr 10 Stunden Arbeitszeit ansetzen.
10 Stunden!
Für ein Paar Socken. 😳
Natürlich hängt die tatsächliche Zeit davon ab, wie geübt man ist, welches Muster gestrickt wird, welche Größe die Socken haben und wie schnell man selbst strickt.
Für unser Beispiel nehmen wir einfach diese 10 Stunden.
Was wäre diese Arbeitszeit wert?
Ich möchte hier gar keinen Fantasie-Stundenlohn ansetzen.
Nehmen wir einfach den aktuellen gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 € brutto pro Stunde.
Wichtig: Als Selbstständige bekomme ich natürlich nicht automatisch Mindestlohn. Der gesetzliche Mindestlohn gilt für ArbeitnehmerInnen. Ich benutze die 13,90 € hier deshalb nur als Rechenbeispiel, um zu zeigen, was meine Arbeitszeit mindestens wert wäre.
Also:
10 Stunden × 13,90 € = 139 €
Allein die Arbeitszeit würde in unserem Beispiel also bereits 139 € ausmachen.
Und jetzt rechnen wir einmal zusammen 🧮
| Kosten | Betrag |
|---|---|
| Handgefärbte Wolle | 12,00 € |
| 10 Stunden Arbeitszeit | 13,90 € |
| Zwischensumme | 151,00 € |
Und jetzt kommt der kleine Moment, bei dem man vielleicht einmal schlucken muss. 😂
151 € für ein Paar Socken.
Und wir haben dabei noch gar nicht alles berücksichtigt.
Meine Holznadeln von Pro Knit haben beispielsweise knapp 9 € gekostet. Natürlich kaufe ich nicht für jedes Paar neue Nadeln – die kann ich immer wieder verwenden.
Auch Strom für das Licht, wenn ich abends stricke, fällt an.
Dazu könnten bei einem echten Geschäft natürlich noch Dinge wie Verpackung, Homepage, Gewerbekosten, Verkaufsstände und vieles mehr kommen.
Für dieses Beispiel lassen wir all das aber bewusst außen vor.
Und jetzt wird es bei mir persönlich interessant… 😂
Vielleicht fragt ihr euch jetzt:
„Wenn das alles so viel kostet – was kosten Carinas Socken denn eigentlich?“
Tja. 😄
Meine Socken kosten aktuell – je nach Größe – zwischen 5 € für Babysocken und 28 € für Socken bis Größe 50.
Und nein, da habe ich jetzt nicht plötzlich die 139 € Arbeitszeit eingerechnet. 😂
Meine bisherige Preisberechnung ist viel einfacher:
Materialkosten + ein von mir festgelegter Aufschlag = Verkaufspreis.
Ich habe mich irgendwann dafür entschieden, meine Socken auf diese Weise anzubieten, weil ich natürlich auch möchte, dass sie für Kunden bezahlbar bleiben.
Und genau deshalb ist dieser Artikel auch keine Preisliste und keine Rechtfertigung für meine Preise.
Es ist einfach ein ehrlicher Blick darauf, was passieren würde, wenn ich meine Arbeitszeit tatsächlich mit einem Mindestlohn ansetzen würde.
Und da merkt man dann doch sehr schnell:
Meine Socken sind ziemlich günstig kalkuliert. 😅
Und was mache ich mit dem Rest der Wolle?
Jetzt kommt mein kleines DIYShopCarina-Kreislaufsystem. 😂
Wenn nach einem Paar Socken noch ein Rest Wolle übrig bleibt, landet der natürlich nicht einfach im Müll.
Daraus mache ich zum Beispiel meine kleinen Sockenschlüsselanhänger.
Die kosten bei mir 3 €.
Und hier dachte ich lange:
„Perfekt! Das Material ist doch schon bezahlt. Dann ist das quasi mein Gewinn!“ 😎
Klingt logisch, oder?
Tja…
Dann habe ich mal darüber nachgedacht, wie lange ich für einen Schlüsselanhänger brauche.
Ungefähr eine Stunde.
😂😂😂
Wenn ich also streng nach Arbeitszeit rechnen würde, hätte ich für eine Stunde Arbeit ganze 3 € verdient.
Damit wären wir dann bei einem Stundenlohn von…
**3 €.
Nicht 13,90 €.
Drei. Euro.**
Ich glaube, an dieser Stelle muss ich über meine eigene Kalkulation selbst ein bisschen lachen. 😂
Aber genau das ist Handmade ❤️
Und genau deshalb wollte ich diesen Artikel schreiben.
Nicht, weil ich jetzt plötzlich meine Preise verdoppeln möchte.
Nicht, weil ich möchte, dass jemand denkt:
„Oh mein Gott, ich muss Carina unbedingt 151 € für ein Paar Socken bezahlen!“ 😂
Sondern weil man an so einem einfachen Beispiel wunderbar sieht, wie schwierig es ist, bei handgemachten Produkten gleichzeitig fair für sich selbst und bezahlbar für die Kund:innen zu bleiben.
Ich bin eben kein Großunternehmen.
Ich stricke meine Socken nicht auf einer Maschine, während irgendwo 100 Paar gleichzeitig produziert werden.
Ich sitze da.
Mit meinen Nadeln.
Mit meinem Wollknäuel.
Mit meinem Dackel Duplo. 🐶😂
Und stricke Masche für Masche.
Und wenn aus dem Rest anschließend noch ein kleiner Schlüsselanhänger wird, sitze ich eben nochmal eine Stunde daran. 😄
Mein Fazit
Was kostet ein selbstgestricktes Paar Socken wirklich?
Wenn wir nur Material und eine mit dem aktuellen Mindestlohn bewertete Arbeitszeit betrachten, landen wir in unserem Beispiel bereits bei rund 151 €.
Mein tatsächlicher Verkaufspreis liegt aber – je nach Größe – deutlich darunter.
Das bedeutet nicht, dass ich meine Socken falsch finde oder jetzt sofort meine Preise ändern muss.
Es zeigt mir aber sehr deutlich:
Handmade ist manchmal deutlich mehr Arbeit, als man am fertigen Produkt erkennen kann.
Und vielleicht schaut ihr beim nächsten handgestrickten Produkt ein kleines bisschen anders darauf.
Denn hinter einem Paar Socken stecken nicht nur:
🧶 Wolle
🧦 Maschen
🪡 Nadeln
sondern vor allem:
Zeit. ❤️
Und die kann man auf keinem Preisschild wirklich vollständig sichtbar machen.
Mit Hilfe von KI erstellt
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